Urgeschichte

Von der Eiszeit bis zur Eisenzeit

Die archäologische Sammlung lädt auf eine Zeitreise durch 40.000 Jahre ein.

Sie beginnt in der Altsteinzeit, als die Menschen in der eiszeitlichen Tundra um das Überleben kämpften. Und sie endet in der Eisenzeit um Christi Geburt, als Bauern das Land bestellten, die Handwerkskunst einen Höhepunkt erreichte, ja sogar Glasschmuck und Münzen in Gebrauch waren.

Das Museum beherbergt eine der bedeutendsten urgeschichtlichen Sammlungen in Niederösterreich. Auch durch die Grabungen von Josef Höbarth ist im Umland von Horn eine besonders hohe Dichte an Fundstellen festzustellen.

Alt- und Mittelsteinzeit

40.000 bis 5.500 v.Chr.

Die ältesten Steinwerkzeuge sind 40.000 Jahre alt.
Im altsteinzeitlichen Mitteleuropa lebten die Menschen als spezialisierte Großwildjäger unter eiszeitlichen Bedingungen. Ihr Lebensrythmus war auf die jahreszeitlichen Wanderungen ihrer in Herden lebenden Beutetiere (Rentiere, Mammuts, Wildpferde etc.) abgestimmt.

Prunkstück der Sammlung ist der drei Meter lange Mammutstoßzahn aus Großweikersdorf.

Vor 10.000 Jahren vor heute stellten sich die heutigen Klimabedingungen ein. Mitteleuropa wurde zur Waldlandschaft, in der der Mensch nun große Säugetiere ( Hirsch, Wildschwein, Reh, Bär) oder kleine Pelztiere wie Wildkatze und Hasen jagte.

Jungsteinzeit

5.500 bis 2.300 v.Chr.

Der grundlegende Wandel von der Jäger-und-Sammler-Gesellschaft zur Agrargesellschaft der Jungsteinzeit vollzog sich in Mitteleuropa vor ca. 7.500 Jahren.
Die Domestizierung von Wildpflanzen (Getreide) und Wildtieren war soweit fortgeschritten, dass die Menschen als sesshafte Bauern und Viehhalter ihr Auskommen finden konnten.

Dementsprechend wandelte sich auch das Fundspektrum:
Es wurden nicht nur die Bearbeitung von Steinwerkzeugen weiterentwickelt (geschliffene Steingeräte), sondern gebrannte Tongefäße zur Bevorratung und zum Kochen von Nahrungsmitteln genutzt. Auch verkohltes Getreide, Spinnwirteln und Webgewichte, „Idole“ (Frauenfiguren aus Ton) wie die „Venus von Eggendorf“ und Schmuck zeugen von dieser Zeit. Das „Schädelnest“ von Poigen weist möglicherweise auf ein Gewaltverbrechen hin.

Bronzezeit

2.300 bis 800 v.Chr.

Ab etwa 2.000 v.Chr. wird in Mitteleuropa die Nutzung von Bronze, dann ab etwa 850 v.Chr. auch von Eisen üblich. Dies erhöhte die Effizienz von Werkzeugen und Waffen. Es entstanden territoriale Herrschaftstrukturen und eine stärkere soziale Differenzierung.

Die wahrscheinlich als Zahlungsmittel verwendeten Bronzebarren deuten auf intensiveren Handel (etwa mit Metallen, Salz oder Bernstein) hin.
Verkohlte Pflanzenreste (Einkorn, Emmer, Gerste, Hirse, Linsen, Erbsen, Bohnen, Eicheln) verweisen auf breites Spektrum an Feldfrüchten.

Aus dieser Zeit stammt ein ganz besonderer Fund, die sogenannte „Frauenkröte“ aus Maissau. Die aus gebranntem Ton geformte Kröte lässt auf der Bauchseite eine weibliche Darstellung mit Betonung der Geschlechtsmerkmale erkennen.

Eisenzeit

800 v.Chr. bis ca. Christi Geburt

Das Eisen wird in Mitteleuropa in großem Stil abgebaut und findet als Werkstoff Verbreitung. Weitere technische Errungenschaften sind die Töpferscheibe und die Handdrehmühle. Der Töpferofen aus Baierdorf ist ein besonderes Ausstellungsstück, da er zur Gänze geborgen werden konnte.

In Maiersch entdeckte Josef Höbarth in der Flur „Teichfeld“ rund 90 Gräber, teilweise Körper- und Brandbestattungen. Als Grabbeigaben besonders erwähnenswert sind die beiden Gefäße mit „tanzenden Frauen“, ein Tierkopf aus Geweih und ein Bronzegürtel.

In der Eisenzeit nahmen auch die Handelsbeziehungen und der Informationsaustausch mit den mediterranen Hochkulturen zu, wie auch keltische Münzen verdeutlichen.